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Die Kinder des 20. Juli 1944

“Mensch, Willy, das sind alles Adlige, die sind vom 20. Juli”

Das Attentat auf Hitler mit der Detonation der von Claus Schenk Graf von Stauffenberg im Führerhauptquartier in Rastenburg (Ostpreußen) gelegten Bombe am 20. Juli 1944, die Walküre-Pläne, das Scheitern des Aufstands des Gewissens – dies alles gehört sicherlich zum Grundwissen jedes militärgeschichtlich Interessierten in Deutschland. Ganz anders verhält es sich jedoch, wenn es abseits des weiteren großen Erzählstranges um die kleinere Familiengeschichte und insbesondere um die Verfahrensweise des NS-Regimes mit seinen jüngsten Feinden geht, um die “Kinder des 20. Juli” die – wenn überhaupt – in der Regel nur eine Fußnote in der umfangreichen und kaum mehr überschaubaren Fülle der Historiographie des deutschen Widerstandes wert waren.

Dies verwundert um so mehr, als die Reaktion der Diktatur nicht nur das Leben der Verschwörer des 20. Juli, beendete, derer das NS-Regime habhaft wurde, sondern gleichzeitig einschneidend in das – wenn man unter den Bedingungen von Diktatur und Krieg überhaupt so urteilen darf – weitgehend noch unbeschwerte junge Leben der Kinder der am 20. Juli beteiligten Verschwörer eingriff.
     Die Männer des 20. Juli wurden standrechtlich im Hof des Bendlerblocks in Berlin erschossen oder nach nur als Farce zu bezeichnenden Prozessen vor dem Volksgerichtshof hingerichtet. Die Frauen und Kinder der Verschwörer wurden von Gestapo oder SS abgeholt und erfuhren mehr oder weniger die selbe Situation, die die Tochter Henning von Tresckows, Utha von Arentin, beschrieb: “An der Haustür stand meine Tante (…) und flüsterte mir zu: “diese Schweine”. Von dem Moment an wusste ich irgendwie, wir sind die eine Seite, und die anderen sind unsere Gegner.” Die damaligen Machthaber sahen dies genauso: Wie man mit den Familienangehörigen der Verschwörer verfahren wollte, erläuterte der Reichsführer-SS, Heinrich Himmler, auf einer Gauleitertagung am 3. August 1944 in Posen, als er über die Sippenhaft ausführte: “Sie brauchen bloß die germanischen Sagas nachzulesen. Wenn sie eine Familie in die Acht taten und für vogelfrei erklärten oder wenn eine Blutrache in einer Familie war, dann war man maßlos konsequent. Wenn die Familie vogelfrei erklärt wird und in Acht und Bann getan wird, sagten sie: Dieser Mann hat Verrat geübt, das Blut ist schlecht, da ist Verräterblut drin, das wird ausgerottet. Und bei der Blutrache wurde ausgerottet bis zum letzten Glied in der ganzen Sippe. Die Familie Graf Stauffenberg wird ausgelöscht werden bis ins letzte Glied. (Beifall.)”
     Indes, diese “Ausrottung” wurde niemals umgesetzt, wohl aber die Sippenhaft. Alle Kinder bis zum 14. Lebensjahr sollten zusammengezogen werden, die älteren mit den Frauen wurden in Konzentrationslager geschickt. Entgegen den Ankündigungen Himmlers wurde jedoch kein einziges der internierten Verschwörer-Kinder getötet: Moralische Skrupel in einem skrupellosen totalitären Regime, das keine Bedenken hatte, im Zuge der gigantischen Sippenhaft des europäischen Judentums, eben dieses, einschließlich seiner hunderttausenden von Kindern, auszulöschen?
     Als Ort der Sippenhaft der Kinder wurde ein kleiner Ort im Südharz, Bad Sachsa, auserkoren. In den Gebäuden des 1935/36 im Schwarzwald/Schweizer-Stil errichteten Bremer Jugenderholungsheimes, das 1939 enteignet und zum NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt)-Kindererholungsheim des Gaues Weser-Ems umfunktioniert wurde, und in dem früher die Kinder Bremer Arbeiter unbeschwert ihre Ferien verbrachten, sollten nun 46 Kinder der Männer des 20. Juli – darunter ein erst zehn Tage altes Baby als jüngster Sippenhäftling des NS-Regimes – auf unbestimmte Zeit verweilen. In den Akten wurde dies als “Sonderbelegung” bezeichnet. Die NSV-Schwestern waren unter Androhung schwerster Strafen dazu verpflichtet, über die Identität und Herkunft der Kinder strikte Geheimhaltung zu wahren, etwaige Fluchtversuche waren zu unterbinden.
     Ein Auszug der Belegungsliste des NSV -Kinderheimes in Bad Sachsa liest sich wie ein “Who is who?” des Widerstandes: Graf Stauffenberg, von Tresckow, von Hofacker, von Trott zu Solz, Graf Lehndorff, Goerdeler um nur die bekanntesten zu nennen. Darunter befanden sich auch die beiden Kinder Lore und Heinz des Oberstleutnant i.G. Robert Bernardis, des einzigen österreichischen Offiziers, der bei den Umsturzbestrebungen des 20. Juli in Berlin eine bedeutsame Rolle spielte.
     Weshalb ausgerechnet Bad Sachsa für die Sippenhaft ausgewählt wurde, ist erklärungsbedürftig. Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten: Vieles spricht für die ruhige, gleichzeitig zentrale und abgelegene Gegend im Südharz, dem Reichsinneren, einer alten preußische Beamten- und Offizierstadt, in der übrigens auch der 1943 freiwillig aus dem Leben geschiedene ehemalige Generalstabschef der Luftwaffe, General Hans Jeschonnek, eine Villa hatte. Aber vielleicht ist es auch dem “Sachsenfaible” Himmlers zuzuschreiben, denn am Ortsrand von Bad Sachsa liegt der Sachsenstein, die Ruine einer Burg aus dem 11. Jahrhundert, die Heinrich IV. gegen frondierenden sächsischen Adel – Otto von Northeim wurde ein Attentatsversuch auf den König vorgeworfen – 1073 erbauen ließ; die Analogie ist frappierend. Aber auch die Tatsache, dass das abgeschlossene Terrain außerhalb der Ortschaft lag und sein Personal, das weitgehend aus der Umgebung Bremens kam, kaum in die Gemeinde eingebunden war, diente der Verheimlichung. Ob auch die politische Atmosphäre für das Unternehmen geeignet war, muss Spekulation bleiben.
     Nach einer kleinen Vorstellungsrunde im Heim in Bad Sachsa – dabei hatte man “ihnen Schauergeschichten erzählt, damit sie nicht weglaufen” (Elisabeth Baronin Freytag von Loringhoven) und auf Anweisung der Gestapo klar gesagt: “Ihr werdet eure Eltern nie mehr wiedersehen” – wurden den Jungens und Mädchen Kindergärtnerinnen zugewiesen. “Fräulein Köhne war sehr nett, man hatte das Gefühl, es tat ihr unendlich leid, was mit uns geschah. Die Leiterin Frau Köhler dagegen war eine Hundertfünfzigprozentige” erinnerte sich Utha von Arentin – die Heimleiterin trug stets das Parteiabzeichen -, und weiter: “Fräulein Köhne hat uns dann eines Tages kurz vor meiner Entlassung verraten, was eigentlich geplant war. Wir sollten nur acht Wochen in Sachsa bleiben und dann in SS-Familien oder in eine Napola kommen, eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt.”
     Dafür sollte ihnen die Identität geraubt werden, Fotos ihrer Eltern und Verwandten wurden ihnen genauso abgenommen wie andere persönlich Dinge, Briefkontakte wurden unterbunden und “aus den Hemdchen die Namen rausgeschnitten, weil sie nicht wissen durften, wie sie hießen”, so Margarethe Gräfin von Hardenberg, die für Henning von Tresckow die den Umsturz vorbereitenden Walküre-Pläne tippte. Auch die Wäsche mit den gestickten Grafenkronen der Kinder des Widerstandskämpfers Heinrich Graf von Lehndorff wurde entfernt.
     Interessant ist die Namengebung für die Kinder der Verschwörer, die neue Vor- und Nachnamen bekommen sollten. So gab es Spekulationen, die Namen seien bewusst ausgewählt worden, um die Kinder nach einer Verweildauer von acht Wochen in Bad Sachsa bereits frühzeitig mit neuen Namen für ihre späteren Adoptiveltern, SS-Familien, auszustatten und vertraut zu machen. Diese gängige These erscheint allerdings fragwürdig, hätten diese Familien, bei ihrer germanischen Blut- und Boden-Weltanschauung, doch überhaupt kein Verständnis, diese Kinder in ihren Familien aufzunehmen. Die Kinder Tresckows erhielten kurioserweise den Namen Wartenberg nach ihrem Gut in der Neumark. Die Kinder Stauffenberg sollten fortan ‘Meister’ heißen, wohl in Anspielung auf den Stefan-George-Kreis, benannt nach dem Dichter, der sich im Kreis, in den ihr Vater bereits als Schüler zusammen mit seinem Bruder Alexander aufgenommen worden war, ‘Meister’ nennen ließ. Weitere Namengebungen wie Braun, Franke, Schulze, Krause, Barth, Steinke oder Seifer indes fallen aus einem interpretatorischen Rahmen. Vielmehr bietet sich damit folgende Deutung an: Teile der Namengebung könnten darauf zurückzuführen sein, dass sie eine bewusste Verhöhnung der Namen und geistigen Orientierungspunkte der beiden treibenden Köpfe des aktiven, zur Tat drängenden, militärischen Widerstandes darstellen sollten. Darüber hinaus war möglicherweise alles noch sehr viel profaner: die Kinder sollten rein bürgerliche “deutsche” Allerweltsnamen bekommen, die alte mit dem System nicht konforme Traditionen und Namen gleichsam propagandistisch ausschalten sollten sowie ihnen jegliche Möglichkeit der Rekonstruktion ihrer Identität rauben würden. Lediglich die allzu bekannten deutschen Namen Müller, Meier und Schmidt fehlen bei diesen ad-hoc -Namengebungen, die schon auf den Transportlisten zum Kinderheim aufgezeichnet waren.
     Betrachtet man die Internierung der Kinder in der Gesamtheit, fällt sofort die Tatsache auf, dass ein Großteil von ihnen – bereits im Oktober 1944 beginnend – im Rahmen einer “Welle” nach und nach aus dem Heim entlassen wurden. Der Anlass war aus einem Schreiben Ernst Kaltenbrunners, des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD, vom 25. Oktober 1944 an den Leiter der Parteikanzlei, Martin Bormann, ersichtlich, in dem er Bezug nahm auf die Unklarheit hinsichtlich der Durchführung der Sippenhaft bei den Gauleitungen, die einen Unterrichtungsbedarf einforderten: “Der Reichsleiter [Himmler, E.B.] hat nun abgelehnt, im Augenblick besondere Grundsätze zur Frage der Sippenhaftung aufzustellen. Aufrecht erhalten bleibt die Haft hinsichtlich der gesamten gräflichen Familie von Stauffenberg. Sonst wird jeder Einzelfall für sich geprüft.” Der Hintergrund dieses Schreibens war die Befürchtung, die Bevölkerung könne aufgrund des steigenden Umfangs der Sippenhaft misstrauisch werden, wodurch die gesamte Aktion des Rachefeldzuges des Regimes zu Unruhen hätte führen können. Vielleicht lehnte es Himmler auch deshalb ab, einheitliche Richtlinien für die Behandlung der jungen Sippenhäftlinge zu erlassen; er wollte lieber von “Fall zu Fall” entscheiden. In der sich veränderten Prioritätenliste angesichts des nahenden Kriegsendes kam den Kindern der Mitbeteiligten wohl auch nicht mehr die Bedeutung zu wie der gräflichen Familie Staufenberg.
     Dies verwundert sehr, geht eine gängige These doch davon aus, dass das NS-Regime während des Krieges noch immer fest im Sattel saß. Es eröffnet sich dadurch jedoch auch gleichzeitig der Gedankengang, dass dies von der Führung der Nachrichtendienste keinesfalls so gesehen wurde, weshalb die Handlungsspielräume der Bevölkerung doch sehr viel größer waren, als eigentlich angenommen. Die Folgen für viele der Kinder waren jedoch durchaus positiver Art, sie wurden entlassen bis auf einen Kernbestand um die Stauffenbergs (6), die Hofackers (3), die Tresckows (2), Lindemann (1) und die “schwäbelnden” Goerdeler-Enkel (2), wobei letztere erst im Januar 1945 zur kleiner gewordenen Schar hinzustießen.
     Das Leben im Heim war für die Kinder unter den gegebenen Umständen weitgehend normal: Kinderspiele, Rodeln im Winter, das Durchleben von (Kinder-) Krankheiten wie Röteln, Scharlach, Windpocken und Läuse. Wie die Zeit in Bad Sachsa sich in der Retrospektive der damals Internierten darstellt, erläuterte der älteste Sohn des Grafen Stauffenberg, Berthold – er schied 1994 als Generalmajor aus dem aktiven Dienst der Bundeswehr -, auf einem Vortrag am 27. Januar 2000, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, in Bad Sachsa: “Die Behandlung durch das Personal war (…) ausgesprochen freundlich, und niemals wurde uns das Gefühl gegeben, zu einer ausgestoßenen Gruppe zu gehören. Die Verpflegung war wie in der damaligen Zeit üblich (…). Wir wurden gut, ja liebevoll, behandelt, wir waren sozusagen unter uns, und das Leben war zwar einfach, aber nicht schlechter als das der Masse der deutschen Bevölkerung. Anders als Hunderttausenden unserer Altersgenossen blieben uns Bombenangriffe und die Schrecken der Flucht, Vertreibung und der sowjetischen Eroberung erspart (…) und, wenn auch nur um Haaresbreite, die der Konzentrationslager.”
     An Weihnachten 1944 sangen die NSV -Schwestern den Kindern sogar “Ihr Kinderlein kommet” und beschenkten sie: “Das Heim hatte fabelhaft viel für jeden aufgebracht. Alle schwammen in Seligkeit – nirgends mehr sah man traurige Gesichter”, so Christa von Hofacker. Aber dies war nicht mehr als ein Zwischenhoch. Die unmittelbare Wirkung auf die jüngeren Kinder war in Teilen jedoch eine andere, wie Clarita von Trott zu Solz über die ihr erzählte Heimkehr ihrer Kinder berichtete: “Da hörte ich, die Kinder seien zurückgebracht worden. Die zweieinhalbjährige Verena sei durch die Küchentür ins Haus gekommen und habe gesagt: ÔDa bin ich wieder.Õ Aber als wir wieder vereint waren, konnte ich sie drei Tage lang nicht trösten, so unaufhörlich weinte sie kläglich vor sich hin.”
     Dennoch verwundert es, dass es durchaus einige Lücken im geschlossenen System gab, sei es um die Kinder bei Laune zu halten oder weil es einfach ein menschliches Bedürfnis der Schwestern war, die durch den täglichen Umgang mit den Kindern diese durchaus als “süße Blagen” ansahen.
     Selbst Besuche Ehemaliger waren möglich, so konnte Wilhelm von Schwerin am 19. November die Kinder besuchen. Weihnachten 1944 durfte Melitta Stauffenberg, eine Ingenieurin und Pilotin, die zunächst selbst unter Sippenhaft fiel, aufgrund ihrer “Kriegswichtigkeit” und ihrer Gönner – sie besaß in der Luftwaffe große Anerkennung – Freiräume zugestanden bekam, die sechs überraschten Stauffenberg-Kinder besuchen und beschenken. Am 17. Januar 1945 erhielt Christa von Hofacker ein Päckchen mit einem Bild ihrer Eltern, das natürlich kein aktuelles war, denn ihr Vater, Caesar von Hofacker, ein Cousin Stauffenbergs, Oberstleutnant der Reserve der Luftwaffe und Mitinitiator des Umsturzversuches in Paris am 20. Juli 1944 wurde wenige Tage vor Weihnachten 1944 hingerichtet.
     Am Osterdienstag 1945 sollten die verbliebenen Kinder in ein, wie man ihnen sagte, neues “Heim” gebracht werden: das KZ Buchenwald bei Weimar, in dem zum damaligen Zeitpunkt einige Mütter interniert waren. Mit einem Wehrmachtslastkraftwagen wurden sie in Richtung Bahnhof in Nordhausen gebracht, wo sie in einen Bombenangriff gerieten. Die damals 13 Jahre alte Christa von Hofacker erinnerte sich – ihre Aufzeichnungen über die Bad Sachsaer Zeit wurden am 19. Juli 1961 in der FAZ erstmals abgedruckt -, dass bei Beginn des Sirenengeheuls der LKW in die nächste Seitenstraße fuhr und unter einem Kastanienbaum hielt: “Es brummte wie toll und plötzlich hub ein ohrenbetäubendes Krachen und Pfeifen an. Die Kleinen fingen an zu schreien. Zu einem Knäuel ineinander verschlungen lagen wir vierzehn am Boden.” 
     Da sämtliche Wege zum Bahnhof verschüttet waren wie dieser selbst, kehrten alle über Umwege nach Bad Sachsa zurück. Wenig später kam die Befreiung. Am 12. April 1945 nahmen 400 US-Amerikaner das am Vortag von dem zuletzt darin befindlichen streng geheimen Stab 00400 der Wehrmacht, der von der V2-Produktionsstätte Mittelbau Dora bei Nordhausen dorthin verlegt wurde, verlassene Bad Sachsa ein; dabei unterlag das “Childrenhouse” keiner besonderen Untersuchung.
     Von der Herkunft der Kinder hatte der von den US-Streitkräften eingesetzte SPD-Bürgermeister von Bad Sachsa, Willy Müller, von einem Genossen erfahren, der als Invalide im Heim Hilfsdienste leistete, eine weitere Schwachstelle im abgeschotteten System der Geheimhaltung. Er erzählte von einer Begebenheit, die er zufällig bei einem Spiel der Kinder erlebte, als ein Junge zu einem Mädchen sagte: “Ich bin ein Graf. Bist du auch eine Gräfin?” Und als diese mit “Ja” antwortete, sagte der Junge: “Dann kann ich dich ja heiraten!” Die Schlussfolgerung für den invaliden Genossen war klar: “Mensch, Willy, das sind alles Adlige, die sind vom 20. Juli.”
     Obwohl die Heimleiterin sich der Befragung durch den neuen Bürgermeister bis zuletzt entzog und sich – wie so viele in anderen Funktionen selbst im und nach dem Untergang – noch an ihren Eid gebunden sah und das Offensichtliche bestritt, war die Identität der Kinder geklärt und Müller konnte den herbeigerufenen Kindern sagen: “Jetzt dürft ihr eure richtigen Namen wieder tragen.” Zudem sorgte er am 8. Mai 1945 dafür, nachdem er – wie er dem Landrat in Nordhausen mitgeteilt hatte – die aufgefundenen Kinder unter seinen persönlichen Schutz gestellt hatte, dass die Kinder in Bad Sachsa unter ihren richtigen Namen und mit der Staatsangehörigkeit Deutsches Reich angemeldet wurden, womit er ihnen amtlich ihre alte Identität zurückgab.
     So spiegelt am Ende, wie so oft in der Geschichte, ausgehend von dem “Geschichtsmächtigen”, das Große sich im Detail wider und wirft dieses auf das Große – in diesem Fall das große Verbrecherische des NS-Regimes – zurück. Auch deshalb lag Bürgermeister Müller am 4. Mai 1945 vollkommen richtig, als er den restlichen im Heim verbliebenen Kindern sagte: “Ihr braucht Euch Eurer Väter nicht zu schämen, denn sie waren Helden.”

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